© Lammers-Koll-Verlag 2010 - 2012 Murat Örs Yoga in der Traumatherapie Die Aktivierung individueller Ressourcen im Yoga Ein therapeutischer Ansatz in der Traumatherapie ist unter anderem die  Aktivierung individueller Ressourcen. Der gezielte Blick auf das  Ressourcenrepertoire und die damit einhergehende Wahrnehmung der  eigenen Fähigkeiten und Stärken unterstützen die Therapiemotivation und  minimieren den oftmals stark ausgeprägten Leidensdruck. Man setzt mit der  Therapie dort an, wo der Mensch seine Stärken besitzt. In einer Sinnübertragung auf den Yoga bedeutet dies, dass man genau an dem Punkt ansetzt, an dem der Mensch frei und unabhängig ist. In einem Bereich  also, in dem er frei entscheiden und handeln kann und in dem keine  Bindungen, Symbiosen oder irrationale Autoritäten das Aktivsein determinieren. Seine Stärken und seine Freiheit finden sich demnach auf der gleichen Ebene.  Diese Seinsebene wird im klassischen Sinne mit dem Begriff Selbst oder im  Sanskrit auch mit dem Begriff paramåtman benannt. Das Selbst oder,  anthroposophisch gesprochen, auch das Ich des Menschen, ist immer frei und  unabhängig und bildet daher auch den stärksten und kräftigsten  Wesensbereich des Menschen. ISBN 978-3-941995-68-0,   44 Seiten, kartoniert, 15 Farbfotos  Preis € 9,-   Heilkunde Die nächste Stellung ist die Heuschrecke, salabhasana. Diese außergewöhnliche, klassische asana ist eine Stellung zum zweiten cakra und erfordert die Fähigkeit, einen ordentlichen Krafteinsatz geschickt mit den Gliedmaßen und dem Rücken zu koordinieren. Legen Sie sich wieder in die Bauchlage auf den Boden. Die Arme sind dabei gestreckt unter dem Körper und möglichst eng anliegend. Verschränken Sie die Finger ineinander und achten Sie darauf, dass die Daumen nebeneinander auf dem Boden aufliegen. Der Kopf liegt nach vorne ausgerichtet und die Atmung ist frei fließend. Beginnen Sie nun mit der halben Heuschrecke, ardha salabhasana (Bild S. 21), indem Sie ein Bein gestreckt nach oben heben. Halten Sie die Stellung für etwa fünfzehn Sekunden und wechseln Sie dann zum anderen Bein. In einer zweiten Wiederholung kann das am Boden liegende Bein mit aufgestellten Fuß die Bewegung unterstützen und damit auch das Becken vom Boden abheben (Bild S. 22). Der Bewegungsansatz beginnt bei den Armen, die mit ihrer Haltung eine Hebelfunktion einnehmen und durch den Druck zum Boden ein wertvolles Kraftpotenzial eröffnen. Diese Dynamik wird über die Arme, Schultern und Rückenregion bis zum Becken hin koordiniert. Die Beine können während der Ausführung leicht angezogen werden und das Gefühl einer fließenden Bewegung erzeugen. Für die ganze Heuschrecke (Bild S. 23) heben Sie nun während einer ruhigen Ausatmung beide Beine gleichzeitig in die größtmögliche Streckung nach oben hoch. Der Atem sollte dabei unbedingt frei bleiben. Versuchen Sie in der Ausführung, die Übersicht über die Koordination nicht zu verlieren und gegebenenfalls das Hochheben der Beine sogar noch zu steigern. Es bietet sich an, die ganze Heuschrecke zwei bis drei Mal zu wiederholen.